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WWE Supercard - Illustration ©

Collectible Card Games oder auf Deutsch: Sammelkartenspiele jeglicher Couleur gibt es wie Sand am Meer. Wirklich packende, solche, die ihr Geld auch nach der ersten großen Euphorie noch wert sind, sind da schon weitaus rarer. „Magic – The Gathering“ und „Warhammer 40K“ sind wohl die weltweit populärsten Genre-Vertreter eines klassischen CCGs, wobei die jüngere Generation sicherlich auch „Yu-Gi-Oh!“, „Pokémon“ und Konsorten gegenüber nicht abgeneigt sein dürfte. Vor ein paar Monaten brachte Blizzard Entertainment mit „Hearthstone – Heroes of Warcraft“ ebenfalls ein Sammelkartenspiel an den Start. Dieses jedoch ausschließlich in digitaler Form. Das Spielprinzip “Sammel’ dich zum Sieg” ist nicht nur hochgradig suchterregend, sondern für Publisher mit einer starken Marke im Portfolio eben auch verdammt lukrativ und so kommt es nicht überraschend, dass auch World Wrestling Entertainment ein Stück vom schmackhaften Kuchen abhaben will.

In Zusammenarbeit mit dem renommierten Videogames-Publisher 2K Sports und begleitet von einer Werbekampagne, die sich dieser Tage gefühlt quer durch die WWE TV-Shows zieht, hat World Wrestling Entertainment unlängst „WWE Supercard“ auf den Markt gebracht. Dabei handelt es sich ebenfalls um ein klassisches Sammelkartenspiel – nur eben mit offizieller WWE-Lizenz ausgestattet -, welches in Form einer kostenlosen App für die beiden großen Mobile-Plattformen, namentlich Apple iOS und Android, zum Download bereit steht.

„WWE Supercard“ featured einen enormen Talent-Roster mit allen aktuellen WWE-Superstars und Diven. Die von uns getestete Version 1.0 des Spiels umfasst ganze 692 Supercards, plus weitere 69 spezielle Buff-Cards, auf deren genauen Sinn und Zweck wir im Rahmen dieser Review ein wenig später genauer zu sprechen kommen werden. Genreüblich ist vom Start weg natürlich lediglich ein Bruchteil der im Spiel enthaltenen Karten für den Spieler freigeschaltet, beziehungsweise überhaupt verfügbar. Das überwältigende Gros muss erst erspielt, bzw. – wenn man dies denn möchte – gegen bare Münze erkauft werden. Richtig gelesen: Auch WWE hat inzwischen das Geschäftsmodell In-App-Purchases für sich entdeckt. Wer will und das nötige Kleingeld auf er hohen Kante liegen hat, kann sich also vom Start weg einen Vorteil gegenüber anderen Spielern verschaffen und sich alle 692 im Spiel enthaltenen Sammelkarten – oder zumindest die seltensten von ihnen – auf einen Schlag kaufen. Doch mal ehrlich: Wo bliebe da bitte der ganze Spaß?

Neue Sammelkarten können aber natürlich auch über die beiden im Spiel enthaltenen Modi erspielt werden. Davon gibt es derer zwei: Exhibition und King of the Ring. Während erstgenannter im Grunde ein klassisches Duell gegen einen menschlichen Kontrahenten, beziehungsweise dessen bis dato erspieltes Set darstellt, mutet „King of the Ring“ eher wie ein abgespecktes Managerspiel an. Da die meisten Spieler sicherlich das direkte Duell bevorzugen werden, bezieht sich unsere Review primär auf eben diesen Exhibition-Modus.

Bevor das Duell beginnt, muss der Spieler sich aus dem Pool der verfügbaren Karten ein fünfköpfiges Wrestler-Team zusammenstellen. Dieses hat zwingend aus vier WWE-Superstars, einer sexy Diva und zwei Buff-Karten zu bestehen. Eine andere Set-Zusammensetzung ist nicht möglich. Grundsätzlich unterscheiden sich alle Supercards durch ihre Stats voneinander und haben jeweils individuelle Vor- und Nachteile: Die einen Wrestler wissen durch schiere Kraft zu überzeugen, sind jedoch nicht die charismatischsten Wesen unter der Sonne. Wieder andere wissen ein gewisses Charisma auf ihrer Seite, sind dafür jedoch nicht allzu hart im Nehmen und gehen ziemlich schnell auf die Bretter. Klingt verdächtig auffällig nach einem klassischen Quartett – und ja, exakt dies ist „WWE Supercard“ im Prinzip auch: ein good ol‘ Quartett. Wie früher bei Opas berühmt-berüchtigten Ostdeutschen Pracht-Plattenbauten, rassigen Zuchthengsten und alles und jeden niederwalzenden Mega-Brummis empfiehlt es sich, einfach prophylaktisch die besten Karten auf die Hand zu nehmen und zu hoffen, das der Gegner keine besseren in petto hat.

Ein Exhibition-Match in „WWE Supercard“ besteht aus einer Sequenz von drei nacheinander ausgetragenen Bouts: ein klassisches Singles-Match, ein Tag-Team-Match sowie ein Diven-Match, deren Reihenfolge zufällig bestimmt wird. Im Falle des Tag-Team-Matches spielt zudem die Team-Chemie eine besondere Rolle: Je besser beiden Superstars miteinander harmonieren und sich ergänzen, was durch kleine Ikons auf dem Kartenrand visualisiert wird, desto höher fällt der Stats-Bonus aus, den sie vor Beginn des Kampfes als Boost spendiert bekommen. Wer nichts, aber auch rein gar nichts dem Zufall überlassen möchte, gibt seinem Superstar, Tag-Team oder seiner liebreizenden Diva vor Kampfbeginn eine Buff-Card mit auf den Weg zum Ring. Diese pusht für die Dauer der bevorstehenden Keilerei die Stats der Karte, so dass diese einen Vorteil gegenüber dem Gegner hat, denn: die Karte(n) mit den besten Stats gewinnt prinzipiell das Match. Immer. Ausnahmslos. Der Gewinner des Schlagabtausches wird nach dem Best-of-Three-System ermittelt, sprich: wer zuerst zwei Siege eingefahren hat, entscheidet das Duell für sich. Sollte ein Match einmal als Draw gewertet werden und nach drei Runden noch kein Sieger ermittelt worden sein, wird hingegen ein vierter, finaler Bout angesetzt, dessen Sieger das gesamte Exhibition-Match gewonnen hat.

Wir haben die ersten paar Matches unserer noch jungen „WWE Supercard“-Karriere mit The Ultimate Warrior, The Undertaker sowie Santino Marella, Jey Uso und Summer Rae bestritten und sind mit der folgenden Taktik recht gut über die Runden gekommen (genau genommen haben wir jedes einzelne Match gewinnen können): Mit dem Warrior sind wir stets in den Singles Matches angetreten, da dessen Stats – Kraft 92, Härte 92, Tempo 85 und Charisma 109 – durch die Bank sehr stark und nahezu jeder anderen Startkarte überlegen sind. Unser Tag-Team bestand hingegen aus The Undertaker und Jey Uso, die zudem dank perfekter Team-Chemie in jedem Match einen fetten Bonus auf ihre Stats spendiert bekommen haben. Als Vertreterin der Divas Division schickten wir – auch mangels Alternativen – Fandangos einstige Vortänzerin, die hübsche Summer Rae ins Rennen. Keine herausragende Karte, aber mit dem richtigen Buff ausgestattet war uns auch mit ihr der Sieg sicher. Jedes. Einzelne. Mal!

Die Duelle werden in zweckmäßiger Grafik präsentiert. Zu Beginn einer Runde marschieren die WWE-Superstars, pardon… Supercards untermalt von auf Dauer recht nervigem Musikgedudel über die Ramp gen Ring. Dort angekommen kloppen sie sich dann ein paar Sekunden lang um den Rundensieg. Beinahe schon niedlich ist die Liebe zum Detail, welche die Macher bei der Umsetzung der Matches haben walten lassen. Einmal wird eine Karte von der anderen durch eine brachiale Clothesline auf die Bretter geschickt, ein andermal hagelt’s eine Powerbomb vom Turnbuckle, um an dieser Stelle lediglich zwei Beispiele aufzuführen. Natürlich wiederholen sich die Animationen sehr schnell, witzig anzuschauen sind sie nichtsdestotrotz.

Info

Publisher 2K Sports zeichnet neben „WWE Supercard“ auch für die jährlich erscheinende Wrestling-Videospielreihe „WWE 2K“ verantwortlich. Der neueste Ableger des Franchise, „WWE 2K15“, erscheint am 30. Oktober 2014 für PlayStation 4, Xbox One, PS3 und Xbox 360. Mehr Infos

Nach beendeten Duellen kann das eigene Deck im – zumindest auf dem Smartphone – recht frimelig zu navigierenden Deckmanager bearbeitet und neu zusammengestellt werden, gesammelte Spielkarten können trainiert und miteinander kombiniert werden. Auf diese Weise kann selbst aus einem unscheinbaren Zeitgenossen wie Zack Ryder peu á peu ein WWE-Superstar nie dagewesener Güte heranwachsen. Einfach mit gesammelten seltenen oder noch besser legendären Karten wie dem Ultimate Warrior, Shawn Michaels, Hulk Hogan und Co. kombinieren, und ‚The Long Iced-Z‘ macht sie fortan alle platt. Wer zwei identische WWE Supercards miteinander kombiniert, craftet dadurch eine besonders starke Pro-Version der Karte, welche überlegene Stats ihr Eigen nennt.

Was auf den ersten Blick nach einem durchaus spaßigen System und ganz netten Zeitvertreib für langweilige Fahrten mit dem öffentlichen Nahverkehr klingt, entpuppt sich ziemlich zügig als insgesamt erschreckend halbgares Regelwerk mit auf Dauer nur bedingt vorhandenem Tiefgang. Selbst ein 10-Jähriger mit der Aufmerksamkeitsspanne eines abgestumpften Goldfischs dürfte das zugrunde liegende Spielsystem und die Möglichkeiten, es zu seinen Gunsten auszunutzen, spätestens nach dem fünften Match durchschaut haben. Einfach stets die besten, im Vorfeld kräftig hochtrainierten und -kombinierten Karten aus der Sammlung mit ins Duell nehmen, die richtigen Buffs ausspielen und der Sieg ist einem quasi garantiert – zumindest solange der Kontrahent keine besseren Karten auf der Hand hat, oder die vorhandene Standardware mittels Buffs entsprechend pusht. Selbst Niederlagen tun nicht wirklich weh, denn Duelle gegen andere menschliche Gegner dauern selten länger als zwei Minuten, so dass sich die Delle in der Match-Chronik recht schnell wieder ausbügeln lässt.

Während unseres Tests beschlich wir übrigens das unschöne Gefühl, als würden wir nicht wirklich gegen einen echten, menschlichen User antreten, sondern lediglich gegen dessen bis dato gesammeltes Kartenset. Denn: Nie kam es zu den für Onlinegames allgemein hin so üblichen Verzögerungen, Matches begannen stets sofort und ohne nerviges Delay.

Äußerst schade fanden wir zudem, dass zumindest in der von uns getesteten Version noch keinerlei Möglichkeit besteht, im Exhibition-Modus gezielt gegen befreundete Spieler, bzw. deren Supercard-Sets anzutreten. Stattdessen bekommt man es mit anonymen Gegner á la „JohnCenaFan4Evaaar“ zu tun, was den Spielspaß dann doch eine ganze Ecke gen Südpol zieht. So etwas wie eine Friendlist mit der man sich dann und wann in Bouts kloppen kann, hätte dem Spiel definitiv gut zu Gesicht gestanden. Auch eine Match-Making-Funktion, und sei diese noch so simpel, via Facebook-Freundesliste oder seine eventuell vorhandenen Kontakte bei Google Plus (mit einem der beiden Social-Network-Accounts muss man sich beim ersten Start in die App einloggen) wäre fein gewesen, wie wir finden. Ebenfalls negativ aufgefallen ist uns der immens hohe Akku-Verbrauch des Games: Nachdem wir das „WWE Supercard“ eine gute erste Stunde auf Herz und Nieren getestet hatten, war der Ladezustand unseres Testgeräts auf lediglich noch knapp 60 Prozent gesunken – ein echter Akku-Killer! Dem scheinen sich die Entwickler sogar bewusst zu sein und haben dem Titel vorsorglich in den Optionen eine optionale Akku-Schonfunktion spendiert.

Fazit

Alles in allem ist „WWE Supercard“ eine dezent enttäuschende Erfahrung. Nach anfänglicher Euphorie haben sich die Kartenduelle als halbgar und größtenteils vorhersehbar entpuppt. Echter Spielspaß kam aufgrund der quasi nicht vorhandenen Tiefe des Regelwerks nur bedingt auf. Wer dachte, „WWE Supercard“ würde auch nur ansatzweise den großen Platzhirschen gefährlich werden können, hat sich scheinbar getäuscht. Um gezwungenermaßen Zeit totzuschlagen, wenn die Bahn mal wieder Verspätung auf sich aufmerksam macht, ist der Titel allemal gut – zu viel mehr jedoch nicht. Zumindest bei uns wollte sich so gut wie keine „Sammelsucht“ einstellen – ein Todesurteil für jedes Sammelkartenspiel.

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